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Laserlicht

Prof. Lutz Fügener
Als Professor für Transportation Design an der Hochschule Pforzheim ist Lutz Fügener einer der führenden deutschen Experten für Automobildesign.

Dank neuester Laser-Technologie von OSRAM werden aus den Scheinwerfern des BMW i8 und des neuen BMW 7er echte Hingucker. Innovative Lichttechnik wird das Autodesign in Zukunft noch stärker beeinflussen, glaubt Lutz Fügener, Professor für Transportation Design an der Hochschule Pforzheim. Ein Interview über Lampenfieber und Lichtkommunikation.

Ist es eigentlich eine Modeerscheinung, dass ein Scheinwerfer nicht nur gut leuchten, sondern auch noch gut aussehen muss?

Überhaupt nicht. Noch zu einer Zeit, als das Auto an sich nicht mehr völlig exotisch war, sollte es auch optisch überzeugen. Das war vor etwa 100 Jahren. Gerade im Luxusmarkt wurde seit jeher dem Design der Scheinwerfer viel Aufwand gewidmet.

Welche Technologien wurden im Laufe der Zeit ausprobiert?

In den Anfangsjahren verwendete man die Technologie der Zeit, also Petroleumleuchten. Seit der Wende zum 20. Jahrhundert gibt es aber auch elektrisches Licht, seit den Sechzigern die Halogenleuchte. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts nutzen wir die LED-Technologie, seit Kurzem auch die Laser-Technologie. Man kann sagen: Die Entwicklung der Scheinwerfer bindet immer mehr Zeit, Energie und Geld. Scheinwerfer im Besonderen und Lichttechnik im Allgemeinen waren noch nie so wichtig wie heute.

Wie kommt das?

Das hat auch kulturelle Gründe. Noch in den achtziger Jahren wirkten Autos vor allem neutral. Das ist heute anders. Autos dürfen niedlich aussehen. Autos dürfen aber auch aggressiv aussehen und Überholprestige verschaffen. Für beides spielt die Form der Scheinwerfer eine wichtige Rolle, sie geben Autos ein Antlitz, den stechenden Blick, die Zugehörigkeit zu einer Marke. Aber natürlich erlauben neue Technologien auch eine neue Formensprache. Das hat mit Entwicklungen bei LED und Laser zu tun.

Inwiefern?

LEDs haben das Paradigma der punktförmigen Lichtquelle aufgelöst. Traditionell kam das Licht immer vom glühenden Draht der Glühlampe. Neue Technologien machen es in ihrer heutigen Reife bereits möglich, Lichtwirkung flächig und somit grafisch zu gestalten. Bei Tagfahrlichtern, Rücklichtern und Bremslichtern findet dies schon breite Anwendung. Bei den Rückleuchten nutzen die Hersteller etwa die Möglichkeiten von LED und OLED, um über eine grafische Gestaltung die Markenzugehörigkeit zu betonen. Im Falle von Scheinwerfern, welche gerichtetes Licht an vorgegebene Ziele werfen müssen, benötigt man hingegen optische Systeme aus Linsen vor den Lichtquellen, was einen enormen technischen Aufwand bedeutet. Je weiter die Entwicklung dieser neuen Technologien voranschreitet, desto mehr kann man ihre Vorteile auch für das Design ausnutzen.

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Mit dem BMW i8 und dem Audi R8 LMX kamen die weltweit ersten Serienfahrzeuge mit Laser-Scheinwerfern auf die Straße. 2015 folgte der neue BMW 7er. Für das Projekt „Laserlicht im Auto“ wurden OSRAM und die BMW Group sogar für den Deutschen Zukunftspreis 2016 nominiert. Was lässt sich aus Sicht eines Design­-Professors über die Scheinwerfergestaltung sagen?

Beim BMW 7er wirkt das komplizierte Scheinwerferelement durch die zeitgemäße Anwendung der Laser-Technologie aufgeräumt und geschärft. Der ästhetisch hochwertige Eindruck ergibt sich aus der Präzision der technischen Komponenten, der sauberen Teilung in funktionale Einheiten und der konsequenten Nutzung der gestalterischen Freiheiten, die man sich mit diesem technischen Reifegrad erarbeitet hat. Die im Scheinwerfer schwebenden, transparenten Elemente erinnern an hochwertiges, geschliffenes Kristall, ohne dabei historisierend zu wirken.

Sind die Möglichkeiten der Laser-Technologie bereits ausgeschöpft?

Sicherlich nicht. Generell schafft die Laser-Technik eine wirkliche Verbesserung der Funktion und eröffnet gestalterisch ganz neue Möglichkeiten. Mich fasziniert das Zusammenspiel von technologischer Innovation und gestalterischer Formensprache. In der Regel können wir folgende Logik beobachten: Eine neue Technologie wird in eine alte Form hineingebaut. Erst einige Zeit später wird dann erkannt, dass diese neue Technologie auch ein neues Design erlaubt. Genau das geschieht jetzt. Die Laser-Technologie erlaubt es beispielsweise, Scheinwerfer viel kleiner zu gestalten. Es wäre auch möglich, dass Scheinwerfer in Zukunft eine andere Form haben und nur aus einer Spalte das Licht auf die Straße werfen. Auf dem Gebiet der Lichttechnik passiert gerade ohnehin sehr viel.

Zum Beispiel?

Durch moderne Beleuchtungskonzepte wird es möglich, den Innenraum an die Bedürfnisse und Vorlieben des jeweiligen Fahrers individuell anzupassen und über die Lichtgebung ein völlig neues Raumgefühl zu verschaffen. Ohnehin wird das gesamte Thema Licht durch das Autonome Fahren, das ohne Zweifel bald schon Realität sein wird, immer wichtiger.

Warum?

Im selbstfahrenden Auto wird der Innenraum zu einer Art Wohnzimmer, an das die Menschen dann völlig neue Ansprüche stellen werden, auch in Bezug auf die Beleuchtung. Gleichzeitig bedingen selbstfahrende Autos auch neue Funktionen im Exterieurdesign: Zum Beispiel müssen Autos, die sich ohne Fahrer bewegen, mit Passanten kommunizieren, etwa um ihnen anzuzeigen, dass diese vom Auto erkannt wurden und das Auto reagiert. Diese Kommunikation könnte auch mittels Licht funktionieren. Wie das genau aussehen wird, wissen wir noch nicht. Vielleicht erscheint ein Smiley auf dem Kühlergrill, vielleicht ein viel eleganteres Symbol. Fest steht: Wir werden noch viele spannende Innovationen auf dem Gebiet des Lichtdesigns erleben.

Leuchtdichte

Die Grundlagen für das Laser-Fernlicht im BMW i8 und BMW 7er legten die Forschungslabore  von  OSRAM  in  mehrjähriger  Arbeit. Bereits seit einiger Zeit stehen blaue Laser-Dioden mit ausreichend hoher Leistung zur Verfügung. Für den Einsatz im Auto wird aber weißes Licht benötigt. Deshalb entwickelten die Experten von OSRAM ein Modul, in dem die Laser-Strahlen auf einem Konverter treffen, der blaues in weißes Licht umwandelt. Laserlicht übertrifft in Bezug auf die Leuchtdichte bisheriges LED-Licht deutlich. Das ermöglicht den Einsatz von kleinen optischen Komponenten bei gleichzeitig hoher Leistung: Das Fernlicht in den beiden BMW-Modellen reicht bis zu 600 Meter weit.