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Interview Dr. Berlien

OSRAM-CEO Dr. Olaf Berlien stellt sich den Fragen von Analysten, Mitarbeitern und Kunden.

Lucie A. Carrier, Equity Analyst, Morgan Stanley Research_
Sie sind nun beinahe zwei Jahre als CEO bei OSRAM. Womit ist es Ihnen gelungen, den Shareholder Value weiter zu steigern?

Wir haben in den vergangenen 24 Monaten die größten strategischen Veränderungen in der Unternehmensgeschichte vorgenommen und sehr erfolgreich gemeistert. Wir haben das zweite Rekordjahr in Folge hinter uns und OSRAM wieder auf Wachstumskurs gebracht. Dafür haben wir im vergangenen Jahr die Innovations- und Wachstumsinitiative Diamond ins Leben gerufen. Parallel haben wir mit der Verselbstständigung und dem Verkauf des Lampengeschäfts innerhalb kürzester Zeit ein kleines MDAX-Unternehmen mit 2 Milliarden Euro Umsatz auf die Beine gestellt. Nach der Abspaltung dieses Geschäfts, das jetzt den Namen LEDVANCE trägt, konnten wir den verbleibenden Unternehmensteil unter der Marke OSRAM weiter als High-Tech-Konzern positionieren. Der Erfolg unseres Kurses zeigt sich aber auch beim detaillierten Blick auf einzelne Sparten: So liegt etwa das Umsatzwachstum bei Premium-LEDs im Geschäftsjahr 2016 bei deutlich über zehn Prozent. Insgesamt wird OSRAM nach dem Verkauf des Lampengeschäfts sein Wachstum beschleunigen und zugleich profitabler sein.

Dr. Olaf Berlien
Seit Januar 2015 leitet der promovierte Betriebswirt als Vorstandsvorsitzender/CEO die OSRAM Licht AG.

Sebastian Growe, Analyst Industrials, Commerzbank_
Mit Opto Semiconductors (OS) hat OSRAM vor allem in den Endmärkten Automotive / Industry eine exzellente Positionierung mit entsprechend attraktiven Margen. General Illumination (GI) schreibt nach wie vor deutliche Verluste. Sind vor diesem Hintergrund die Investitionen für die LED-Chip-Fabrik in Kulim, Malaysia, nicht zu riskant?

Neben dem Verkauf des Lampengeschäfts war das Investment in Kulim für uns die maßgebliche strategische Entscheidung der letzten Jahre. Hierzu stehen wir voll und ganz. Mit unserem Werk in Malaysia positionieren wir uns in der Poleposition des LED-Markts, da wir effektiver, qualitativ hochwertiger und günstiger produzieren als die asiatische Konkurrenz. Wir erschließen uns zusätzliche Märkte in der LED-Allgemeinbeleuchtung und werden zum LED-Kostenführer. Gleichzeitig wachsen wir weiter im Bereich Premium-LED, investieren in neue Technologien wie Laserlicht und erweitern stetig unsere technologische Kompetenz. Das alles zeigt: Das Wachstum von OSRAM basiert auf mehreren Säulen – und die Großinvestition in Kulim ist ein integraler Bestandteil davon.

„Innovationen dienen dazu, unseren Kunden beste Qualität anzubieten und ihre Position zu stärken.“

Dr. Olaf Berlien

Peter Reilly, Equity Analyst, Jefferies_
Es war ein ereignisreiches Jahr für OSRAM: Die Auseinandersetzungen mit Siemens, personelle Veränderungen im Vorstand, die Entscheidung für den Bau der Chip-Fabrik in Kulim. Können die Stakeholder ein ruhigeres Jahr 2017 erwarten?

Wir haben turbulente Zeiten hinter uns, keine Frage. Der Beleuchtungsmarkt ist in Bewegung, und wer stehen bleibt, fällt zurück. Deshalb haben wir uns für einen beherzten, konsequenten und nachhaltigen Umbau des Konzerns mit der klaren Zielsetzung 5.1.5 im Jahr 2020 entschieden. Das heißt über 5 Milliarden Euro Umsatz, ein Gewinn (EBITDA) von bis zu 1 Milliarde Euro und ein Gewinn pro Aktie von rund 5 Euro. Die gute Nachricht lautet: Mit der Drei-Säulen-Strategie und Diamond ist der Rahmen gesetzt, in dem wir uns bis 2020 weiter entwickeln werden.

Lisa Huber, Werkstudentin, LS SMK MARCOM_
Wie wichtig ist Ihnen das Thema Nachhaltigkeit?

Als führender Anbieter in der weltweiten Lichtindustrie begründen wir unsere strategischen Entscheidungen auf dem integrierten Konzept der drei Säulen der Nachhaltigkeit: Wirtschaft, Umwelt, Gesellschaft. Diese bilden den ganzheitlichen Rahmen für unser Denken und Handeln. Besonderen Schwerpunkt legen wir auf den Bereich Umwelt: Zum einen leistet OSRAM mit seinen Produkten einen aktiven und hoch effizienten Beitrag zum Thema Umweltschutz. Smarte Lichtsysteme und moderne Leuchten benötigen heute einen Bruchteil der Energie, die konventionelle Beleuchtung noch vor wenigen Jahren verbraucht hat. Ein weiterer Punkt ist unsere umweltbewusste Produktion. Das Umweltmanagement bei OSRAM umfasst den nachhaltigen Umgang mit Energie, Wasser, Abfällen und Chemikalien sowie die Überwachung von Emissionen. Wie strategisch wichtig Nachhaltigkeit ist, zeigt auch das Verhalten von Investoren, die Nachhaltigkeit immer mehr als Entscheidungskriterium heranziehen. Auch hier zahlt sich unser Konzept aus, wie die wiederholte Aufnahme in den wichtigsten Nachhaltigkeitsindex, den Dow Jones Sustainability World Index, zeigt.

 
Die Drei-Säulen-Strategie von OSRAM
Opto Semiconductors

Im LED-Komponentenmarkt will OSRAM seine Marktposition signifikant ausbauen: Sowohl in der Allgemeinbeleuchtung als auch in den Spezialmärkten rund um den Automobil- und Industriebereich.

Specialty
Lighting

In diesem Bereich bündelt OSRAM Lichttechnologie für Spezialanwendungen wie Auto oder Entertainment – vom Halogenscheinwerfer bis hin zum Lasermodul.

Lighting Solutions and Systems

Der Bereich intelligenter, technologisch anspruchsvoller Lichtlösungen soll weiter ausgebaut werden. Neben dem Geschäft mit Leuchten und Komponenten rückt hier die Softwarekompetenz in den Fokus.

Michaela Kupfer, Werkstudentin, OS Strategic Marketing & Planning / Communication_
OSRAM stand in den letzten Jahren eher für Restrukturierung und Unsicherheit – warum sollte ich meine erste Festanstellung bei Ihnen anstreben?

Effizienz ist für uns kein Selbstzweck, sondern der einzige Weg, sich auf dem dynamischen Lichtmarkt zu entwickeln. Dabei darf es keine Denkverbote geben: Jeder Unternehmensbereich muss nachhaltig profitabel sein. Wir sind der Überzeugung, dass nur ein gesunder und profitabler Konzern auch ein attraktiver Arbeitgeber ist. Wir wissen aber auch, dass unsere Mitarbeiter und deren Innovationswille unser wichtigstes Kapital sind. Und wir sind fest davon überzeugt, dass OSRAM auf dem richtigen Weg ist. In diesem Sinne: Natürlich sollten Sie eine Festanstellung bei uns anstreben. Nur mit Ihrer Hilfe können wir wachsen. Und wir werden alles dafür tun, dass Sie bei uns erfolgreich sein können.

Antonio Marino, Sales & Marketing, Italien_
Verliert OSRAM mit dem Lampenverkauf nicht seine Seele?

Die Tradition von OSRAM besteht nicht nur darin, Lampen zu bauen. OSRAM war immer auch gut darin, technologisch und qualitativ hochwertige Lichttechnologien zu entwerfen und erfolgreich zu vermarkten. Vor 100 Jahren waren dies Lampen. Heute ist Licht digital, und dementsprechend engagieren wir uns hier. Mit den drei Säulen Specialty Lighting, Lighting Solutions & Systems und Opto Semiconductors arbeiten wir an einer stabilen Zukunft unseres Unternehmens und sind stolz darauf, heute schon die innovativsten Lichtkonzepte anzubieten. Wir folgen damit unserer Tradition als innovativer Lichtkonzern. Und noch ein Wort zum Verkauf: Wir wissen, dass dieser für viele schmerzhaft war. Und so sehr wir davon überzeugt sind, dass er strategisch absolut notwendig war, genauso sind wir der Überzeugung, die Lampensparte in gute Hände zu geben. Das Käuferkonsortium besteht aus zuverlässigen Unternehmen, die das Geschäft ausbauen werden.

Dr. Frank Schmid, Head of System Engineering, Diehl Aerospace GmbH_
Was tun Sie, um im Bereich Innovationen weiterhin führend zu bleiben?

Innovationen dienen dazu, unseren Kunden beste Qualität anzubieten und ihre Position zu stärken. Wir hören sehr genau auf die Bedürfnisse unserer Kunden und stärken vor diesem Hintergrund unsere Forschung und Entwicklung mit höheren Investitionen. Konkret heißt das etwa, dass wir Laserlicht-Technologien konsequent ausbauen. Wir investieren in den Wachstums- und Innovationsmarkt Premium-LED, der im Bereich Visualisierung, etwa bei Virtual Reality oder bei den Iris-Scans, zum Einsatz kommt. Und nicht zuletzt konnten wir mit dem Zukauf von Novità Technologies unsere Position im US-Markt stärken. Kurz: Wir sind in puncto Innovation bestens aufgestellt.

Gerd Bahnmüller, Vice President Research and Development, Automotive Lighting_
Wie können Sie auf allen Feldern Schritt halten mit Ihren Wettbewerbern? Ich denke da auch an den Bereich Lichtdesign.

Im Bereich Automobilbeleuchtung sind wir seit Jahren führend und liefern unseren Kunden weltweit die besten Produkte und Topqualität. Dazu arbeiten wir seit Jahren intensiv mit zuverlässigen Partnern zusammen. OSRAM ist derzeit beispielsweise das einzige Unternehmen weltweit, das serienreife Laser-Module für Frontscheinwerfer im Markt liefert. Mehrere Automobilhersteller arbeiten in diesem Bereich mit uns, um diese Technologie in der Fahrzeugbeleuchtung zu etablieren. Und die Nachfrage nach Laser-Systemen steigt stetig. Seit einigen Jahren entwickeln und produzieren wir für viele Automobilhersteller sogenannte Matrix-Scheinwerfer. Hier kann der Fahrer kontinuierlich mit aktiviertem Fernlicht fahren – ohne Blendung des Gegenverkehrs. Ein weiterer Wachstumsmarkt, wenngleich es sich hier noch um eine Zukunftstechnologie handelt, ist der Bereich „assisted driving“ – und mittelfristig selbstfahrende Automobile. Diese Technologie ist angewiesen auf leistungsstarke optische Sensoren und wird für die Fahrzeugbeleuchtung eine neue Ausrichtung bringen. Diese kommende Technologie eröffnet für unsere Kunden und Partner interessante und neue Perspektiven.

Christoph Lay, LayInnenarchitekten_
Welchen Mehrwert wird Licht zukünftig in Gebäuden bringen?

Wir werden uns noch stärker auf die Anforderungen von „Smart Cities“ und „Smart Buildings“ fokussieren und den steigenden Bedarf an vernetzten und intelligenten Lichtlösungen bedienen. OSRAM hat seine Expertise in solchen Projekten schon mehrfach bewiesen: Herausragende Beispiele sind die Beleuchtungen in der Sixtinische Kapelle oder hier in München am Marienplatz. Ein anderes – im wahrsten Sinne des Wortes – Leuchtturm-Projekt ist die Beleuchtung des Shanghai Tower. Unsere Lichtsteuerung verwandelt eines der höchsten Gebäude der Welt mit 22.000 LEDs in ein weithin sichtbares Wahrzeichen. Trotzdem gibt es noch viel zu tun: So haben wir das ambitionierte Wachstumsprogramm LS 800 aufgelegt. Dieses sieht bis 2020 eine Verdoppelung des Umsatzes bei einer Ergebnismarge von acht Prozent vor.