Bevor die Kapelle erstmals in neues Licht getaucht wurde, hatte ein internationales Team von OSRAM mehr als drei Jahre an dem neuen Beleuchtungssystem gearbeitet. Die Mannschaft war für die technische Ausstattung und die Koordination des Projekts verantwortlich. Mit an Bord waren zwei weitere Unternehmen und eine Universität sowie natürlich der Auftraggeber: der Vatikan.

Es gab viel zu tun

Unter der Führung von Mourad Boulouednine, der das Projekt aus München geleitet und die internationalen Partner koordiniert hat, erbrachten die Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker und Lichtdesigner des Konsortiums Höchstleistungen. Die Liste der Aufgaben war lang: Beleuchtungsstärke und Farbwiedergabe sollten deutlich besser werden, der Energieverbrauch um mindestens 60 Prozent sinken. Die Helligkeit des Lichts sollte vollständig dimmbar sein und die spektrale Verteilung sollte sich auf die Pigmente der Michelangelo-Fresken einstellen lassen. So wollte man die bestmögliche Lichtfarbe erreichen. „Es ging aber auch darum, etwas zu beweisen“, erinnert sich Mourad. „Wir wollten zeigen, dass LED-Licht die Kunstwerke der Renaissance weitaus weniger beeinträchtigt als jede andere Lichttechnologie.“

Kleben statt Bohren

Die Arbeitsbedingungen waren ungewohnt. Nicht selten waren die OSRAM-Mitarbeiter bis tief in die Nacht hinein am Werk, denn die Arbeiten konnten erst am Abend beginnen, wenn der letzte Besucher die Kapelle verlassen hatte. Aus Angst vor Beschädigungen durften keine Löcher in die Wände der Kapelle gebohrt werden, um die Leuchten zu befestigen. Sie wurden, verborgen hinter einem Sims, auf speziell angefertigten Carbonmatten montiert, die auf das Gestein geklebt wurden. Ein neues, bislang einmaliges Verfahren.

Ein in puncto Lichtverteilung speziell an die Architektur angepasstes und hinsichtlich der spektralen Verteilung für die Farbpigmente optimiertes System mit 40 leistungsstarken und besonders energieeffizienten LED-Flutern sorgt für eine indirekte, gleichmäßige Ausleuchtung von Decke und Wänden der Kapelle. Zehn ausfahrbare LED-Strahler erhellen bei Bedarf den Boden und den Altarbereich, zum Beispiel während des Konklaves. Das System kann unter anderem mithilfe eines Mobiltelefons oder Tablets gesteuert werden. OSRAM hat alle Aufgaben, die dem Team gestellt worden waren, fristgerecht und unter Einhaltung des Budgets, mehr als erfüllt.

Wie natürliches Tageslicht

Störende Blendeeffekte, die früher die Regel waren, gehören nun der Vergangenheit an. „Die Leuchten sind für die Besucher nicht sichtbar“, erklärt Carlo Bogani, der den Vertrieb von OSRAM in Italien leitet und die Beziehungen zum Vatikan pflegt. „Sie haben das Gefühl, dass natürliches Tageslicht durch die Kirchenfenster fällt.“ Und das eröffnet ganz neue Perspektiven an diesem Ort, der täglich 25.000 Besucher in seinen Bann zieht. Professor Gianluigi Colalucci, unter dessen Leitung die Kapelle zwischen 1982 und 1994 umfassend restauriert wurde, sagte, er habe die Sixtinische Kapelle dank des neuen Lichts zum ersten Mal mit den Augen Michelangelos gesehen.

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